Winter des Hungers (1031)

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Im Winter 1031 kam es in Albernia zu einer durch Ernteausfälle und Krieg ausgelösten Hungersnot.


Der Hungerwinter 1031 brachte Albernia mit hunderten von Toten dem Untergang nahe. Nur ein von den Kirchen der Travia und Peraine erbetener und mit Hilfe vieler anderer auf dem Friedenskonvent von Fergardh erwirkter Waffenstillstand zwischen dem freien Albernia und den Besatzern aus dem Reich ermöglichte den Transport von Lebensmitteln in das hungernde Land - große Taten, in denen sich viele Adlige der Nordmarken unter persönlichen Mühen und Kosten als Helfer bewiesen.

Die folgenden Abschnitte liefern Details in Prosa.

Ein schlimmes Jahr

Im Vergleich zu vergangenen Götterläufen fielen die Erträge der Ernte in Albernia im Jahre 1031 nach Bosparans Fall eher bescheiden als einträglich aus, sorgten doch Regen und Sturm dafür, dass sich manch Acker in Matsch verwandelte, dass sich erhoffte Ähren an gebrochenen Halmen nicht entwickelten und dass sich der Korn-Fraß ausbreitete.

So verwunderte es kaum, dass in den Vorratskammern Albernias wenig lagerte, als schon früh im Götterlauf 1031 der grimme Herr Firun seinen Odem über das Königreich unserer guten Frau Invher blies und bereits zu Beginn des Boronmondes hier und da glitzernder Reif auf Hag und Strauch lag. Bescheidenere Rationen waren schnell an der Tagesordnung, und doch war es abzusehen, dass man diesen Winter zweifellos Not leiden würde. Nicht selten gab es Zank und Streit um einen Kanten Brot oder einen Rest Grütze in der Schüssel. Kunde von ersten Diebstählen aus Speichern und Vorratskammern war landauf, landab zu hören.

Doch nicht allein das Volk darbte unter Firuns frostklirrender Last. Auch die Kaiserlichen aus den Nordmarken hatten kaum zu essen, kam doch nur wenig Nachschub bis zu ihren Niederlassungen, da hier die freien Albernier, die ihr Heim in den schaurig kalten Wäldern hatten, alles abfingen, dessen sie habhaft erden konnten. Stärkere Eskorten wurden den Wagen hinzu gestellt und es kam zu blutigen Hungerkämpfen zwischen Nordmärker Soldaten und hungrigen Alberniern.

Alsbald brauste ein eisiger Wind um Hof und Schober und Schneeflocken wirbelten zügellos umher, legten unerbittlich ein weißes Gespinst auf Felder, Wald und Auen. Frostig drang es gleichwohl in Bauernkate, Bürgerhaus und Burg und Albernia erlitt bittere Not – einerlei, ob albernischer Bauer oder Nordmärker Soldat.

Und der grimme Herr hatte seine Arbeit noch lange nicht getan...

Auf Aves Pfaden in Albernia

Schnee knirschte unter ihren Stiefeln.
Schnee, der viel zu früh die Wege unterbrochen hatte,
viel zu früh die Bauern von ihren Feldern vertrieben hatte.
Der mit seinem weißen Glitzern verbarg,
was Regen und Sturm angerichtet hatten,
dass ein jedes Feld mehr Matsch als Acker war,
ein jeder Weg Mühsal anstatt ein Pfad zu Aves Wundern.

Zugvögel wurden sie genannt, die Farben des Paradiesvogels die ihren…
Die Geweihten des Aves durchzogen Albernia, doch das Land,
was sonst sein mächtiges Grün zu ihrem Rot, Blau und Gelb gesellte,
es war grau und leer, verschlossen von Firuns kaltem Frost.
Meile für Meile legten sie zurück, formten neue Karten Albernias aus ihren Eindrücken,
bedachten umkämpfte Wege und Strassen, geschlossene Handelsrouten,
verlorene Ernten, endende Vorräte, Hunger und Gewalt.

Derartige Eindrücke im Gepäck fand einer der ihren seinen Pfad nach Fergardh,
lieh der Sache der Kirchen seine Stimme,
den Bestrebungen von Travia und Peraine unter Rondras Schild Gewicht.
Erlebte die Verhandlungen zwischen den Reichen, geführt vom Adel,
geleitet von Travias Wissen um die Not und Rahjas Wunsch nach Verständigung,
begleitet von des Herren Praios Ordnung und Recht, geschützt von der Leuin Streiter.
Sah die Phex-gefälligen Handel und den Willen gemeinsam zu leben,
doch auch die Anfeindungen und gezogenen Waffen.
Hörte am Ende die Worte, dem Aves wohlgefällig, waren sie doch Sinnbild
für der Rahja Charme, Phexes Witz, und, wichtiger noch, gebaute Brücken:
‚Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde.’
So hatten sie sich also geeinigt, die Waffen sollten ruhen,
die Wege sich öffnen für Händler und Helfer.

So knirschte der Schnee nach wie vor unter ihren Stiefeln, als sie weiter wanderten,
doch nun auch unter den Rädern der Wagen von Helfern und Händlern.
So sahen sie, wie die Ladung der mächtigen Otta Hilfe brachte,
wie die Lieferungen des nostrischen Handels Not linderte,
wie das Versprechen des Kosch in Erfüllung ging dem Frieden Nahrung zu geben,
wie die mächtigen Nordmarken ihre Kornkammern leerten,
so dass keine Stadt in der ihre Truppen standen Hunger litt, und alles,
was darüber hinaus sie hatten, seinen Weg zu jenen fand, die es nötig brauchten.

Hoffnung keimte auf in Albernia, wie der erste Trieb von Grün unter dem Schnee,
doch Hoffung macht nicht satt. Würde es reichen? Kam die Hilfe schnell genug?
Wie wenige sonst erfuhren die Zugvögel das Ausmaß der Not,
sie sahen die Sorgen der Kirchen von Travia und Peraine, offen, unverstellt,
sie kannten nun die Bestände in den Lagern, hier und fern,
überall und nirgends zu Hause teilten sie selbst das Brot der kleinen Leute...
... so es etwas zu teilen gab.

Ja – Sie reisten auf den Wagen der Händler und Marketender,
sahen wie die Nahrung aus der Ferne den Unterschied machte.
Und nein – es war nicht genug. Nicht rechtzeitig. Nicht für alle.
Weit mehr als einen Grabsegen hatten sie zu sprechen,
und die Schwachen traf es, wie immer, zuerst.

Schnee knirschte unter ihren Stiefeln und sie zogen durch ein Land in bitterer Not.
Und doch… Die Katastrophe, die große Hungersnot, sie blieb aus.
Albernia litt in diesen Tagen – doch es hatte Hoffnung. Und Freunde.