In der Mark (1040)

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Albernischer Konvent 2016
09. bis 11. September, Schloss Walbeck/Geldern-Walbeck
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Siegestaumel

Finsternis lag über Mendena. Schwere Sturmwolken verdeckten die Praiosscheibe und trieben rastlos über das Alveranszelt, das von den Göttern gänzlich verlassen worden zu sein schien. Die absolute Schwärze der Nacht hatte sich beinahe unmerklich in einen düsteren Tag gewandelt. Rauchschwaden waberten durch die Gassen, wurden von plötzlichen Böen verwirbelt und formten sich für einen Moment für den Betrachter zu einem Bild aus seinen schlimmsten Alpträumen, ehe sie ebenso rasch wieder verweht wurden. Noch immer konnte man von überall her das Schreien und Stöhnen der Sterbenden und Verwundeten hören. Nur wenige hatten den Anstand, sich still und klaglos auf ihren Weg über das Nirgendmeer zu machen.

Die Stadt war frei, befreit durch das kaiserliche Heer. Doch diese Freiheit hatte einen hohen Preis gefordert. Sie alle waren auf Haffax‘ Kriegslist hereingefallen, hatten in aller Eile den Weg durch die Schattenlande zurückgelegt, um vor den Namenlosen Tagen die Hafenstadt am Perlenmeer zu erreichen und die Armee des Fürstkomturs zu stellen.
Und wozu? Um im Augenblick des durch einen hohen Blutzoll teuer erkauften vermeintlichen Triumphs zu erfahren, dass Haffax in ihrem Rücken längst vor den Toren Perricums bereitstand, um die heiligste Stadt der Herrin Rondra im Handstreich zu nehmen. Und was danach geschehen mochte, war selbst für die wackeren Streiter, die das grässliche Schlachten auf den Mauern und in den Gassen am gestrigen Tag überlebt hatten, zu erschreckend, um es sich vorzustellen.

Die Kaiserin war bereits in der Nacht mit ihren engsten Getreuen, sowie den meisten Geweihten und Magiern auf einem Schiff über die Blutige See nach Perricum aufgebrochen. Die Teile des Heeres, die sich noch auf den Beinen halten konnten, machten sich schon wieder für den Abmarsch bereit, denn sie würden ihr noch heute unter Marschall Alrik vom Blautann und vom Berg in Eilmärschen folgen.

Ein fürchterlich geschwächtes Heer, das sich während der Namenlosen Tage, welche Kaiserin Rohaja um jeden Preis hatte vermeiden wollen, durch die Schwarzen Lande schleppte, um den weitgehend unbekannten Plan eines genialen Strategen zu vereiteln, der offenbar längst aufgegangen war.


Westwärts

Perricum ist gefallen. Der Haupttempel der Himmelsleuin liegt in Trümmern und das Schwert der Schwerter ist tot. So haben es die Geweihten berichtet. Haffax zieht plündernd und brandschatzend durch das Mittelreich, während das ehedem stolze Heer der Kaiserin ihm nur hinterher zu hecheln vermag.

Nach den Namenlosen Tagen haben den Stab Berichte erreicht, dass sich ein eiligst zusammengerufenes Heer aranischer und mittelreichischer Truppen dem Fürstkomtur an der Gaulsfurt entgegengestellt hat, aber vernichtend geschlagen worden ist. Von dort aus soll er weiter in Richtung Rommilys gezogen sein. Was seine Pläne sind, kann noch immer niemand erahnen.
Die vielgestaltigen Gerüchte, die im Heer die Runde machen, sorgen für Unsicherheit und scheinen die Aussichtslosigkeit dieses Gewaltmarsches zurück ins Reich nur zu unterstreichen. Haffax selbst ist unauffindbar und unangreifbar.

In Weiden soll er gesehen worden sein, aber zur gleichen Zeit auch in Almada und in Albernia. Die Vorstellungen über das, was der Schattenmarschall noch vorhat, terrorisieren das Reich mindestens so sehr wie sein marodierendes Söldnerheer.

Die Stimmung im kaiserlichen Heer ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Nachdem man vom Fall Perricums erfahren hat, ist man weiter in Richtung der Trollpforte marschiert, um schnellstmöglich ins Herz des Reiches vorzustoßen. Dutzende zu Schanden gerittene Pferde hat das Heer auf seinem Weg zurückgelassen, und auch so mancher tapfere Streiter, der Mendena überlebt hatte, wird seine Heimat trotzdem nicht mehr wiedersehen. Streit und Hader begleiten das Heer bereits seit den Namenlosen Tagen, Hunger und Erschöpfung fordern ihren Tribut von den entkräfteten Streitern, und Verletzungen scheinen nicht mehr heilen zu wollen.


Zur Einladung

Wir laden euch recht herzlich zur Teilnahme am Albernia-Kon 2016 vom 09. bis 11.September auf Schloss Walbeck in Geldern ein. Der Kon spielt auf der Rückreise des Albernischen Heeres von Mendena. Der Tross wurde -fast vollständig- in Mendena zurückgelassen, um in Eilmärschen (zu Pferde) ins Reich vorstoßen zu können. Dies bitten wir bei der Charakterwahl zu berücksichtigen. Falls Ihr unsicher seid, sprecht uns an!

Den vollständigen Text der Einladung sowie das Anmeldeformular findet ihr zum Download hier:


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In der Mark, Anfang Praios 1040

Als das, was vom kaiserlichen Heer nach Mendena noch übrig war, endlich die Trollpforte durchschritten hatte und die verfluchten dunklen Lande hinter sich ließ, war die Erleichterung groß. Die aufkeimende Zuversicht jedoch war nur von kurzer Dauer. Die Strapazen der vergangenen Tage und Wochen waren den wackeren Streitern nur zu deutlich anzusehen, und dennoch trieb Marschall Alrik vom Blautann und vom Berg das Heer unbarmherzig weiter voran, denn noch immer war Haffax nicht gestellt worden, und Übles drohte dem Reich, sollte das gemeinsame Ziel seiner versprengten Heerhaufen sich als Gareth entpuppen.

Doch nicht nur die Ungewissheit und die äußere Bedrohung machen den tapferen Männern und Frauen zu schaffen, auch in den eigenen Reihen gibt es allerorten Zwist und Hader. Obwohl der Marschall mit harten Strafen gedroht hat, sollte irgendjemand gegen das Duellverbot verstoßen, kommt es doch nicht nur immer wieder zu Prügeleien, sondern auch zu handfesten Ehrenhändeln. Vor einigen Tagen wurde gar im Morgengrauen Senach ui Branwyn mit einem Dolch im Herzen hinter den Zelten aufgefunden. Und hatte man noch gehofft, dass es der Einfluss der dämonisch verseuchten Umgebung in den Schwarzen Landen sei, der die Gemüter erhitzte, so musste man sich nun eines Besseren belehren lassen, denn vor drei Tagen ist Rodwick ui Granna, der Leibritter Graf Cullyns, hinterrücks erschlagen im Gebüsch gefunden worden. Zeugen gibt es keine.

Noch vor Gallys – dem Ausgangspunkt des kaiserlichen Heerzugs – lässt der Marschall nach einer eiligen Stabsbesprechung die albernischen Truppen zusammenrufen. An seiner Seite steht der albernische Kommandeur und Primus der Kronenritter Cuanu ui Morfais.

Wie allen anderen ist auch Alrik vom Blautann anzusehen, was all die Eilmärsche den Kaiserlichen abverlangen, doch der Marschall ist getrieben und es ist offensichtlich, dass ihm die Entscheidung schwergefallen ist, als er erklärt: „Wie Ihr wisst, liegt Wehrheim vor uns und die Reichsstraße ist der schnellste Weg nach Gareth. Wir haben jedoch entschieden, die Stadt möglichst zu umgehen, da die Lage dort unklar ist und keiner unserer Späher bisher zurückgekehrt ist. Um aber festzustellen, ob der Weg über die Neue Silberstraße, die in Berler von der Reichsstraße nach Praios abzweigt, für das Heer überhaupt gangbar ist und Burg Blauzahn, welche die Straße beschirmt, nicht etwa in Feindeshand ist, brauchen wir Euch als Voraustrupp. Vogt Hesindion Gorm von Schwertleihe hat sich freiwillig gemeldet und wird das Unternehmen anführen.“


Auf der Neuen Silberstraße, Anfang Praios 1040

Nur noch wenige Meilen trennen das Vorauskommando der Albernier von Burg Blauzahn. Mit etwas Glück werden sich die müden Streiter am Abend unter einem Dach, und zumindest einige sogar in einem Bett ausruhen können. Diese leise Hoffnung scheint die Laune aller zu heben. Zwischendurch ist sogar schon das eine oder andere leise gepfiffene oder gesummte Lied zu hören. Als schließlich jedoch einer von Gorms Waffenknechten „In der Reichsarmee“ anstimmt, straft der gräfliche Vogt ihn mit einem solch vernichtenden Blick, dass sich zumindest in dessen Nähe niemand mehr auch nur zu summen traut.

Felim Crimmthain, der gerade mit drei Waffenknechten die Vorhut bildet und im lockeren Trab vorausreitet, hebt die Hand, um den Zug anzuhalten. Die Straße führt über eine Holzbrücke, die ein kaum nennenswertes Flüsschen überspannt, das jedoch gerade so breit ist und dessen Ufer gerade so steil sind, um selbst ohne Wagen nicht so einfach überquert werden zu können. „Wir passieren im Schritt und einzeln“, ruft der Seenländer nach hinten und treibt seinen Rappen wieder an. Das Pferd des Ritters ist sichtlich nervös und versucht sich dessen Hilfen zu entziehen. Als es den ersten Huf auf die Brücke setzt, bleibt es stehen. Sich der Blicke aller anderen Streiter nur zu bewusst treibt Felim den Rappen energisch an, doch dieser weigert sich standhaft vorwärts zu gehen. Erst als er groben Gebrauch von seinen Sporen macht, lässt sich das Tier doch noch überzeugen und überquert die Brücke eilig im Trab. Ärgerlich dreht sich Felim zu den Waffenknechten um: „Die Handpferde führt ihr besser einzeln und zu Fuß gleich nach euren eigenen Pferden herüber.“

Wie ihnen geheißen steigen nun die Waffenknechte von ihren Pferden und sammeln die wenigen Handpferde, auf denen sich vornehmlich einige Gemeinschaftszelte und kleinere Planen befinden, vor der Brücke, während ein Großteil der anderen Streiter ebenfalls absteigt und die Pferde grasen lässt. Auch den Handpferden scheint die Brücke nicht ganz geheuer zu sein. Nur zögerlich lassen sie sich von den Waffenknechten über die Holzbohlen auf die andere Seite führen.

Gerade hat ein breitschultriger Waffenknecht mit wenig Haar und kurzem Vollbart das sechste der insgesamt zehn widerwilligen Handpferde mit viel Überredungskunst auf die Brücke geführt, als die Holzkonstruktion unheilvoll knarrt und schwankt. Das Pferd steigt panisch und versucht zurückzuweichen. Mit all seiner Kraft hängt sich der Mann in die Zügel und versucht verzweifelt das panische Pferd zu beruhigen. „Domnall, hilf mal!“ brüllt er nach hinten. Ein weiterer Waffenknecht eilt fluchend hinzu und greift ebenfalls in die Zügel. Mit vereinten Kräften zwingen sie das Tier wieder herunter. Krachend fahren die eisenbeschlagenen Hufe auf das Holz nieder, das unter der Wucht splittert. Nun ist das Pferd endgültig für die beiden Männer nicht mehr zu halten, doch ehe es ausbrechen kann, gibt die ganze Brücke unter der Last nach und bricht in sich zusammen. Das Pferd schafft es als erstes dem heillosen Durcheinander aus Gliedmaßen, spritzendem Flusswasser und Holztrümmern zu entkommen. Außer sich vor Angst springt es mitten zwischen die am Ufer wartenden Pferde und löst dort Panik aus. Mehrere Tiere können sich losreißen und weiteres Chaos stiften. Die Reiter dazwischen haben größte Mühe die anderen Pferde im Zaum zu halten und müssen Acht geben, dass sie nicht niedergetrampelt werden.

Glücklicherweise gibt es einige Albernier, die ein besonderes Händchen für Pferde zu haben scheinen und die Situation vielerorts entschärfen können, ehe schlimmere Unfälle passieren. Ritterin Tegana stellt sich dem durchgehenden Streitross des Hohenfelsers in den Weg, um es aufzuhalten, die Flussgardistin Meriwen beruhigt die restlichen Packpferde, Baronin Aedre treibt einige versprengte Rösser der Crumold wieder zusammen, Ritterin Yolande hält gleich drei Pferde der Distelritter gleichzeitig im Zaum und der stepahansche Waffenknecht Aarwulf schafft es gar, das Unglückspferd von der Brücke einzufangen und so weit zu beruhigen, dass er es auf Verletzungen untersuchen kann. Nachdem sich die Lage weitgehend beruhigt hat, steht fest, dass Peraine sei Dank weiter niemand zu Schaden gekommen ist und selbst die beiden nassen Waffenknechte am anderen Ufer bis auf ein paar Abschürfungen unversehrt sind.

An der üblen Laune Gorms scheint das allerdings wenig zu ändern. Entnervt gibt er Felim und den Waffenknechten auf der anderen Seite den Befehl voraus zu reiten, einen geeigneten Lagerplatz zu suchen und die Zelte dort bereits aufzustellen. Durch den Umweg, den der restliche Trupp nun zu nehmen gezwungen ist, wird man die Burg keinesfalls noch vor der Dämmerung erreichen.