Große Flut (1028)

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Jahrhunderthochwasser des Großen Fluss im Jahre 1028.


Im Jahr 1028 kommt es nach einem strengen Winter und massiven Schneeschmelzen zu einem der größten Hochwassern des Großen Flusses in Menschengedenken. Neben massiven Zerstörungen von Ortschaften und Landwirtschaft und dem Verlust zahlreicher Menschenleben besonders in den Baronien Niriansee, Weidenau, Altenfaehr und in der Stadtmark Havena, vernichten die Fluten auch den Tross der Heerscharen von Isora Ulaman von Elenvina. Somit führt das Hochwasser zum Ende des Marsch von Isora auf Havena im Konflikt um die Herrschaft Albernias, der im Jahr des Feuers ausgebrochen war.

Die Bewertung dieser Ereignisse fällt sehr unterschiedlich aus. Aufgrund der Tatsache, dass die Fluten durch eine Springflut mit auflandigem Wind verstärkt wurden und somit so schnell kamen, dass die Truppen wider Albernia ihnen nicht entkommen konnten, gehen viele Albernier davon aus, dass hier der Flussvater selbst für das Land unter den drei Kronen Partei ergriffen hat. Diese Sicht wird teilweise durch die Darstellung einiger albernischer Adliger genährt, welche, angeführt von Bedwyr ui Niamad, die einbrechenden Naturgewalten ihrem Einsatz eines mächtigen Artefakts, dem Stab der Winde, zuschreiben.

Die Kirche des Efferd bestätigt dies jedoch nicht. Sie sieht in den Ereignissen keine Partei ihres Gottes oder seines Alveraniars, sondern seinen Zorn auf den Krieg selbst, der gleichermaßen beide Parteien straft, die einen durch den Verlust ihrer Wagen und Ausrüstung, die anderen durch die Verwüstung ihres Landes. Doch auch die Barone der betroffenen Ländereien, allen voraus Corvin von Niriansee und Ragnar Fingorn von Altenfaehr, sind nicht fähig Freude oder gar Stolz auf die Ereignisse zu empfinden, was zu empfindlichen Spannungen im albernischen Hochadel geführt hat.


Die Flut in Altenfaehr

Die Baronie beim Höchststand der Flut BF 1028
Baronie Altenfaehr nach der Flut (Eisfläche)
Baronie Altenfaehr nach der Flut (Aktuell!)

"…als die Regenfälle wolkenbruchartig zunahmen und auch der Große Fluss über die Ufer trat, hatten die meisten Einwohner der Flussdörfer Eichenfurt und Altenfaehr ohnehin schon alle wichtigen Habseligkeiten verstaut. Sie hatte damit gerechnet, dass die fremden Söldnerscharen, die nach den Gerüchten unaufhaltsam dem Flusslauf folgten und schon in die Nachbarorte vorgedrungen waren auch nach Altenfaehr kommen würden. Zwar war der Baron mit dem größten Teil der noch bestehenden Landwehr (einem kümmerlichen Rest von höchstens 3 Dutzend Männern und Frauen) nach Weidenau gezogen, um bei der Verteidigung zu helfen, doch hatte er schon vorher den Befehl gegeben, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Die Gerüchte von Misshandlungen und Tötungen der Einwohner der Dörfer längs des Flusses hatten ein übriges getan…

Nun jene Gefahr war vorerst gebannt: Die Söldner Isoras waren von einem Heer unter dem Prinzen Romin geschlagen worden und die Überlebenden geflüchtet. Nun kam die Flut…

Den Göttern sei Dank, dass die Albernier wenigsten gewarnt waren. Es gab zwar Tränen doch die Naturgewalten waren etwas, mit dem sie Jahr und Tag gelebt hatten. Die meisten Einwohner des Dorfes Altenfaehr fanden Zuflucht in der Burg Faehrwacht, die Bewohner Eichenfurts verteilten sich auf Faehrwacht, Grauweiden und Hoppingen. Ihr Hab und ihr Vieh führten sie mit. Nur einige Büttel blieben zur Wache in den Dörfern, bis diese von der Flut heimgesucht wurden.

Die Flut stieg. Sie stieg bis fast ein Drittel der Baronie überflutet war. Inseln ragten aus dem flachen Meer, auch dort, wo das Wasser nur niedrig stand war es schwierig zu gehen, da der Boden sumpfig war. In den Dörfern am Fluss stand das Wasser jedoch mehrere Fuß hoch und riss alles mit sich, was nicht fest mit dem Boden verbunden war.

Der Baron, der mit der siegreichen Landwehr zurückgekehrt war, beruhigte die Menschen und sagte ihnen Hilfe zu. Die Flut – obwohl nicht ohne Gefahren und Schäden - müsse von den Göttern geschickt sein, da ein weiteres Söldnerheer des Feindes nun zum Teil in der Flut ertrunken und weggeschwemmt worden sei, die Überlebenden seien nun ohne Vorräte und Verstärkung und es sei nicht damit zu rechnen, das sie weiter vorrücken wagten. Dies wurde von den Fischern bestätigt, die Leichen von Nordmärkern und Ausrüstungsteile hatten treiben sehen. Albernia, die Königin und auch Altenfaehr seien damit gerettet worden.

Dann ging die Flut zurück, ließ jedoch eine eisige Fläche zurück … zur Freude der Kinder, jedoch nicht der Erwachsenen. Es war schließlich Winter und Wasser und Eis würden den Pflanzen und Gebäuden schweren Schaden zufügen.

Doch die Flut hatte etwas Gutes: Es stellte sich heraus, das die Überschwemmungen dazu geführt haben, dass der frühere alte Flusslauf, der an dem Ort Altenfaehr vorbeiging, wieder freigespült wurde. Vor dem Ort ist eine kleine Insel entstanden, der große Fluss verläuft hier in zwei Armen. Das ist sehr gut für die Bewohner der Baronie, besonders des Ortes Altenfaehr und hebt die Stimmung beträchtlich. Nur die Bewohner von Eichenfurt, dem konkurrierenden Flusshafen sind etwas enttäuscht, jedoch merken sie bald, das die neue Entwicklung auch ihnen gut tut."


Die Flut in Niriansee

Am Anfang kam der Wind.
Aus dem Wind wurde Sturm.
Mit dem Sturm kamen die Wolken, dicht und dunkel.
Mit den Wolken kamen Regen, Schnee, Eis.

Die gewaltigen Winde hatten sich vereinigt,
kamen vom Meer über das Land, ungebremst, unbeherrscht.
Sie peitschten die Wellen auf, trieben das Wasser vor sich her,
in das Delta des Großen Flusses, immer weiter in das Land.
Endlos. Grenzenlos. Gnadenlos.

In Hanufer machte sich anfangs niemand Sorgen.
Nicht umsonst nahm die Stadt ihren Namen von den Worten "Am hohen Ufer"
- die Stadt, wo der Knüppeldamm endet, wo der Sumpf verschwindet,
wo das Land hohe Mauern trägt, wo der Quai des Hafens standhaft ist,
gebaut mit Wissen über die Macht des Flussvaters.
Außerdem war Firun, tiefster Winter, Stürme nicht so ungewöhnlich.
Nein, in Hanufer machte sich anfangs niemand Sorgen.

Dann stieg das Wasser. Dann kam die Flut.
Und Hanufer zahlte in bitterer Münze,
zahlte für Hochmut und Unbedachtheit,
für Sorglosigkeit und mangelnden Respekt,
vor der Macht von Wind und Wetter,
vor der Macht der Elemente und der Zwölfe.

Vielleicht ist es Lutz, der Fährmann, der es zuerst bemerkt.
Wie die meisten Abende wandert er durch die Nacht,
betrachtet die dunklen Fluten des Großen Flusses,
hört das Rauschen, sieht die Welle kommen, seinen Augen nicht trauend.

Vielleicht ist es Tarbos, Geweihter im Tempel des Efferd,
dem stolzen Bauwerk am Hafeneingang,
der aus seinem Schlummer aufschreckt,
die Wut des Wassers in seinen Knochen spürt,
die Stimme seines Gottes zu hören glaubt,
im Rauschen, im Gurgeln der Strudel,
als die Wasser die tiefen Kavernen des Tempels fluten,
als salzige Gischt sein Gesicht benetzt,
Salz, so weit entfernt vom Meer der Sieben Winde.

Die Söldner Isoras sind es nicht.
Die alte Garnision der Flussgarde,
neues Quartier der schweren Infanterie,
welche die Stadt nahm, steht direkt am Hafen,
doch was sind den Söldnern Regen und Sturm,
solange eine dicke Mauer zwischen ihnen und dem Wetter ist,
solange das Feuer brennt und der Brandwein fließt.

Ebenso wenig sind es die vielen anderen,
in ihren Häusern, in ihren Betten, unter ihren Decken.
Nicht der Waffenschmied, nicht die Pferdehändlerin.
Nicht der Boroni vor den Toren der Stadt,
nicht Talena im Tempel der lieblichen Göttin.
Nicht der Fuhrmann in seinem Rausch,
nicht die Fischersleut in den Hütten vor den Toren,
nicht die Handwerker, nicht die Händler,
nicht die Bürger, nicht die Gäste.

Und trotzdem trifft sie alle die Flut,
die aus dem Dunkel kommt, zornig und schnell.

Sie alle trifft die Flut und Hanufer bezahlt.
Die Fischerhütten außerhalb der Mauern sind die ersten.
Dann Hafen, Fähre - unter Wasser in Sekunden.
Lagerhäuser am Quai, das Kneipenviertel, Garnision - geflutet in Minuten.
Die beiden Schmieden, Tischlerei, der Schneider, alles im Weg des Wassers.

Am Morgen nach der Flut, im Licht des Tages, wird die Zerstörung sichtbar.
Hanufer liegt am hohen Ufer. Es ging glimpflich aus.
Im Hinterland ist wenig passiert, zu schnell steigt das Land.
Das Wasser kam nicht weit, die Welle weicht schon zurück.

Nur Teile der Stadt stehen noch unter Wasser,
wenig Gebäude sind wirklich zerstört.
Doch das wenige mag zuviel schon sein.

Die Lager am Hafen sind vernichtet.
Wenig Waren sind zu retten.

Die Fischerhütten am Rande der Stadt sind ein Trümmerfeld.
Hier gar es Tote. Ganze Familien - ausgelöscht.
Kein Boot liegt mehr am Fluss.

Die Fischer werden fehlen,
denn Sturm um Welle haben das Unglaubliche geschafft:
das hochliegende Kornhaus, abgedeckt und abgesoffen.
Kein Weizen mehr für die hungrige Stadt,
kein Hafer für die Tiere, keine Vorräte für den Winter.

Der Kommandant der Garnision besichtigt das Heerlager vor den Toren,
der Tross, die Wagen zur Versorgung,
alles beschädigt, vieles vernichtet.
Die Stadt mag leiden - doch dem Heerzug brach die Flut das Genick.
Doch verdammt will er sein, wenn er sich hier nicht nehmen kann, was er braucht.

Die Stadt mag leiden, doch der Preis,
den sie noch zu zahlen hat, der wird höher sein.


Quellen