Albernische Tracht

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“Der junge Mann sprang über die Steine tänzelnd auf mich zu und begrüßte mich fröhlich. Dass die Hälfte seiner Grußworte vom Wind verweht wurden und ihm ein Regentropfen an der Nase hing, tat seiner guten Laune keinen Abbruch. Roric trug eine knielange Kutte aus einem hübsch gewebten Wolltuch, wie ich sie kaum anders von daheim kannte. Die darunter getragene weite Hose stellte die Kutte so aus, dass sie wie ein Kleidchen wirkte. Seine Waden hatte er mit langen, bunt karierten Stoffstreifen umwickelt. Die Hose bauschte sich zwar übers Knie, darunter aber lag sie eng und fest an und dürfte ihrem Träger im hohen Gras der Heide keine Probleme machen. Die ärmellose Jacke darüber war von Hals bis Saum geschlitzt und die beiden Vorderteile übereinander geklappt. Die Wolle wirkte sehr dicht und geeignet den Leib warm und trocken zu halten. Seine Schultern steckten zudem in einer Art Kragen, ähnlicher einer Gugel. Nur endete der Kragen nicht in einer Kapuze, sondern in einem Schlauch, der sich um seinen Hals krempelte und keinen Wind hinein ließ. Der Kragen war ebenfalls kariert und sein Saum mit aufgenähten kleinen Muscheln verziert. Ich hatte schon verschiedenste Mützen auf albernischen Köpfen gesehen. Roric aber trug seine langen Haare offen. An der rechten Schläfe hing ein dünner Zopf herab, in den er ein rotes Band eingeflochten hatte.”
(Reise gen Efferd. Reiseerinnerungen der Hesindegeweihten Tilia Mühling. Greifenfurt 1012 BF)

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Die Kleidung des Königreiches an der Siebenwindküste ist von vielfältigen Einflüssen von außen geprägt. Nicht nur die Nachbarprovinzen und -länder, sondern auch der Seehandel und das thorwalsche Erbe vieler Adliger wirkten und wirken sich auf die albernische Mode aus. Gemein ist jedoch allen Kleidungsstücken ein gewisser Pragmatismus und Bodenständigkeit, selbst in Adelskreisen - man sollte sich schon noch ohne Hilfe bewegen können.
Wind und Wasser sind die beherrschenden Elemente Albernias und des Windhags. Langanhaltend und sanft fallen Niederschläge zu allen Jahreszeiten. Der Westwind ist ein steter Begleiter. Von der Küste weht der “Beleman” über das Land und sorgt dafür, dass feiner Nieselregen es noch in die kleinsten Ritzen von Rock und Mantel schafft. Es ist dieses Wetter, zusammen mit den Einflüssen benachbarter Regionen, welches die Eigenarten der albernischen und windhagschen Tracht bestimmt. Die folgenden Betrachtungen wurde besonders mit Blick auf Albernia verfasst. Aber sie gelten auch für den benachbarten Windhag.
In den großen Städten Albernias unterscheidet sich die Mode der meisten Menschen nicht wesentlich von andereren Städte des Mittelreiches. In Havena, dem größten Hafen der aventurischen Westküste, macht zudem das Horasreich einen modischen Einfluss geltend. Doch schon einen Steinwurf außerhalb der Mauern sieht das anders aus. Dort ist Albernia albernisch. Dort sind Tradition und Geschichte, Klima und Lebensweise die bestimmenden Faktoren dessen, was Albernia am Leibe trägt. Angesichts des albernischen Wetters verwundert es nicht, dass von den verschiedenen Völkern, die in der Geschichte Albernias ihre Spuren hinterließen, die Thorwaler den vermutlich größten Einfluss hatten. Immerhin ist die Heimat der nordischen Seefahrer nicht gerade von lieblichem Klima gesegnet. Wetterfeste und pragmatische Kleidung erfreut sich hier wie dort großer Beliebtheit. Viele Kleidungsstücke wurden in Albernia übernommen und über die Jahrhunderte an die eigenen Bedürfnisse angepasst.
Albernia macht, wie allgemein das Mittelreich, keinen Unterschied bezüglich der gesellschaftlichen Rollen der Geschlechter. Diese Gleichstellung spiegelt sich in der Mode wider. Frauen tragen mit der größten Selbstverständlichkeit Hosen. Umgekehrt konnten sich explizite “Kleider” bei den Männern nicht durchsetzen. Lange, auch körperbetonte Roben und Schmuck sind jedoch nicht ungewöhnlich und eher von Stand und Wohlstand als vom Geschlecht abhängig. Mit dem Großen Tuch des Windhags gibt es zudem ein Kleidungsstück, das wie ein Rock anmutet und von Männern wie Frauen getragen wird. Als Windhager Tuch ist es auch in Albernia zu sehen.


Von Kopf bis Fuß

Tuche, Farben und Muster

Der wichtigsten Werkstoff albernischer Kleidung ist Wolle. Heide bedeckt weite Teile des Landes, Schäfer sind ein alltäglicher Anblick. Die heimische Wolle wird zu unterschiedlichsten Tuchen gewebt. Dicker Loden wird erst gewebt und danach in heißem Wasser gewalkt, bis ein so dichtes und schweres Tuch entsteht, dass es nahezu wasserdicht ist. Entgegen dem allgemeinen Ruf von Wolle als dick, schwer und kratzig, gibt es auch leichtes und luftiges Wolltuch, das es mit jedem feinen Bausch problemlos aufnehmen kann.
Nach der Wolle sind Leinen, Hanf und Bausch die wichtigsten Materialien. Auch hier gibt es die ganze Bandbreite der Schwere und Qualität: Vom Segeltuch, aus dem das Ölzeug der Seeleute gefertigt wird, bis zu hauchfeiner Leibwäsche. Leder ist verbreitet, dient aber selten der Herstellung ganzer Kleidungsstücke. Mit Leder werden besonders beanspruchte Partien von (Arbeits-)Kleidung verstärkt oder Gürtel, Taschen und gelegentlich Mützen gefertigt. Ausgesprochen selten und edel ist die Verwendung von teuer importierter Seide. Adelige oder Händler verfeinern ihre Ausgehgewandung gelegentlich mit einem Streifen dieses exklusiven Materials. Der Fürst und einige hohe Adelige sollen für zeremonielle Zwecke auch ein komplettes Gewand aus Seide besitzen.
Einfache Tuche werden in Leinwandbindung hergestellt. Köperbindungen sind etwas teurer und bei allen albernischen Tuchen eine beliebte Verfeinerung. Insbesondere zweifarbige Fischgrat- und Rautenköper sind modisch beliebt. Die allgegenwärtigen karierten Tuche sind in der Regel aus Wolle. Bis heute kennzeichnen bestimmte Webmuster im Windhag die Zugehörigkeit zu bestimmten Familien. In Albernia mag dies auch einmal so gewesen sein, doch heutzutage dominieren individueller Geschmack und Mode die Farbwahl. Lediglich Personen, die ein Loyalitätsverhältnis zu einem konkreten Adelshaus öffentlich zeigen wollen, tun dies auch heute noch über die Farbwahl ihrer Kleidung. Farblich ist die Kleidung heterogen. Das einfache Volk begnügt sich in der Regel mit Brauntönen oder blasseren Varianten von rot, blau, gelb und grün, die sich mit den Hausmitteln des eigenen Gartens erzeugen lassen. Satte tiefe Farben wie das dunkle “albernische Blau” oder tiefe Rottöne sind teuer in der Herstellung und entsprechend eher bei den wohlhabenden Schichten zu finden. Noch mehr gilt dies für Farben wie sattes Grün oder sogar Schwarz, die in einem aufwendigen Prozess mehrfach gefärbt werden müssen. Insgesamt findet sich so ziemlich das gesamte Farbspektrum in der Kleidung wieder. Explizit grelle, aufdringliche Farben sind aber eher selten. Sie entsprechen meist nicht dem Geschmack der Bewohner des Landes.
Als Verzierungen sind neben farblich kontrastierenden Besätzen vor allem Stickereien verbreitet. Die gewählte Ornamentik erinnert an die verschlungenen thorwalschen Ranken, in denen sie vermutlich auch ihren Ursprung hat. Albernische Muster sind aber feiner und weniger gegenständlich. Die Motive greifen die Elemente des Landes auf. Sie interpretieren Wind und Wogen aber auch Pflanzen mit Blatt und Blüte. Außerdem darf natürlich gerade beim Adel das eigenen Wappen in seinen Varianten als Motiv nicht fehlen.
Immer mal wieder kommen auch Borten zum Einsatz. In den besonders vom Wasser geprägten Regionen an der Küste, dem Großen Fluss oder dem Seenland werden die unteren Säume gerne mit aufgenähten Muscheln, Perlen und ähnlich kleinteiligen Gegenständen geschmückt.

Kopfbedeckungen

Die Leibwäsche des Hauptes, die Bundhaube, ist in Albernia so verbreitet wie in nahezu alle anderen Regionen des Mittelreichs. Der ästhetische Mehrwert der kleinen Tuchhaube zum Festbinden ist zwar zweifelhaft, ihr Nutzen aber nicht. Die Bundhaube schützt nicht nur das Haupt vor Ungeziefer, sondern auch eine darüber getragene Mütze vor Abnutzung.
Solche Mützen gibt es in vielen Formen. Der nach vorn spitz zulaufende Jagdhut, oder Bata (Schiffchen) gilt als Liebling der lässig-verwegenen Jugend oder jener Leute, die sich gern mit dieser identifizieren wollen. Als “Pillendose” wird - mit leicht spöttischem Unterton - ein anderer Klassiker bezeichnet. Diese Mütze besteht aus einem Randstreifen und einem annähernd kreisrunden Deckel. Die zylindrische Form erinnert etwas an eine flache, runde Dose, die namensgebend wurde. Eine Abwandlung der “Pillendose” ist das Seoladar oder “Kapitänchen”. Bei diesem wird ein übergroßer Deckel auf den Rand der “Dose” gesetzt, der durch das notwendige Raffen über den Rand übersteht.
Eine gelungene Mischung thorwalscher und mittelreichischer Einflüsse stand Pate bei Schlauch- und Beutelmützen. Die Schlauchmütze ist, wie der Name vermuten lässt, ein langer Stoffschlauch. Dessen eines Ende wird solange zu einer Wulst gewickelt, bis er auf den Kopf des Trägers passt. Das andere Ende hängt locker zur Seite herab. Dieses Schlauchende wird gelegentlich zu hübschen Zaddeln geschnitten oder der gesamte Schlauch mit einem kontrastfarbenen Innenfutter versehen. Wird das lose Ende indes mit einer Naht verschlossen, wird der Schlauch zum Beutel: der zweiten Variante.
Gelegentlich und insbesondere von Menschen, die ein vorzeigbares Haupthaar ihr eigen nennen, wird auch nur ein einfacher Reif getragen, vergleichbar dem mittelreichischen Schapel. Beliebt sind feste Stoffstreifen mit gestickten Mustern oder gleich geflochtene Stoffstreifen. Verzierte Metallreifen, ähnlich schlanken Kronen, werden gerne vom Adel getragen. Wem dies zu wenig auf dem Haupt ist, der nutzt seinen Reif manchmal auch, um ein Tuch auf dem Kopf festzuhalten.

Torsokleidung

Das grundlegende Gewand schlechthin ist die Cota. Ein tunikaartiges Stück, welches in verschiedenen Varianten mit jeweils leicht abweichenden Bezeich-nungen auch in anderen Teilen des Mittelreiches zu finden ist. Die Grundform der Cota ist denkbar einfach. Zwei längliche Rechtecke aus Tuch, in der Regel so breit, wie der Webstuhl sie abwirft (also ca. zwei Ellen breit), werden an den Schultern und Seiten zusammengenäht und bedecken so die Vorder- und Rückseite des Torsos. Eine Aussparung zwischen den Schulterpartien ist das Kopfloch. Aussparungen an den Seiten unterhalb der Schultern dienen als Ärmellöcher. An die Ärmellöcher werden zu Röhren genähte Rechtecke oder Trapeze aus Stoff angesetzt und dienen als Ärmel. In dieser Grundform ist die Cota nichts anderes als ein Sack mit Ärmeln. Einfach und ohne nennenswerte Kenntnis des Schneiderhandwerks herzustellen, günstig im Stoffverbrauch und doch bequem und zweckmäßig.
Natürlich bleibt es oft nicht bei der Grundform. Wer sich das zusätzliche Tuch leisten kann, verlängert den Saum der Cota nach unten. Er versieht ihn vielleicht mit Schlitzen, in welchen zusätzlich eingebrachte Stoffdreiecke für einen hübschen Faltenwurf sorgen. Die Cota kann durch Abnäher tailliert oder durch schräge Schulternähte auf Körperform gebracht wer-den. Solche Veränderungen verleihen dem so einfa-chen Kleidungsstück ungeahnte Eleganz. Sie erfordern neben zusätzlichem Material aber auch hand-werkliches Geschick oder einen Geldbeutel, um sich solches kaufen zu können. Aus Leinen, Hanf oder Bausch direkt auf der Haut getragen dient die Cota als Leibhemd. Als obere Schicht ist eine Cota in der Regel aus Wolle.

Der Begriff „Lange Weste“ taugt nur bedingt für die albernische Secead. Dieses Kleidungsstück hat seine Wurzeln im thorwalschen Klappenrock. Die Secead ist eine Art Jacke. Um den Torso warmzuhalten, wird sie in der Regel aus fester Wolle gefertigt und zusätzlich gefüttert. Gänzlich ohne oder nur mit kurzen Ärmeln fällt sie mindestens oberschenkellang herab. Als Jacke ist die Secead vorne mit einer durchgehenden Öffnung versehen. Traditionell überlappen die beiden Vorderteile sich ähnlich wie beim ursprünglichen thorwalschen Klappenrock, um besser gegen den Wind zu schützen. Aus dem gleichen Grund gibt es oft einen aufstellbaren Kragen, der sich eng um den Hals legt. Als Verschluss dienen der über der Kleidung getragene Gürtel, angenähte Bänder, Nestelschnüre, Schnallen oder Knebelverschlüsse. Im Sommer wird die Secead gerne offen und manchmal lose über dem Gürtel herabhängend getragen: Eine betont lässige Trageweise, die sich vor allem bei der mode-bewussten Jugend einiger Beliebtheit erfreut. Es gibt sogar echte „Sommerseceads“ ohne Kragen und ohne sich überlappende Vorderteile aus leichterem Stoff.
Da die Secead über der Cota als sichtbare Außenschicht getragen wird, ist sie oft Träger kunstvoller Verzierungen und aus schön gemustertem, kariertem Tuch. Wie bei anderen Kleidungsstücken auch zeigt sich der Stand des Trägers in der Ausführung. Bei einigen Adligen reichen “höfische Ausführungen” der Secead fast bis zum Boden und sind mit Seide oder wertvollen Pelzen besetzt.

Was ein Albernier unter einer Gulain versteht, unterscheidet sich kaum von der allgemeinen mittelreichischen Gugel. Es gibt verschiedene Schnitte. Am beliebtesten, weil einfachsten, ist ein Schnitt aus zwei länglichen Rechtecken (je eine Elle breit und zwei Ellen lang) und zwei Quadraten (mit je einer Elle Kantenlänge). Die Quadrate werden zwischen die Rechtecke genäht und kommen, auf der Spitze stehend, auf Brust und Rücken des Trägers zu liegen. Die Rechtecke bedecken die Schultern und laufen nach oben in eine Kapuze aus.
Da sich das Tragen einer Kapuze mit dem eines Hutes nicht gut verträgt, hat sich in Albernia noch eine weitere spezifische Variante der Gulain durchgesetzt. Anstatt in eine Kapuze läuft der obere Teil der Gulain in einen Schlauch aus, der wie ein Schal um den Hals liegt und diesen wärmt. Im kühlen windigen Wetter Albernias hat diese Trageweise schon manchen vor Halsschmerz und Heiserkeit bewahrt.

Beinkleider

Wie in vielen Ländern nutzt Mann wie Frau auch in Albernia die “Beinlinge” genannten Röhren. Die Beinlinge werden diagonal zum Fadenlauf aus dem Tuch geschnitten und sind so einigermaßen dehnbar. Mal mit mal ohne angenähtes Fußteil schmiegen sie sich eng an die Beine und werden an einem Leibriemen an der Hüfte befestigt. Traditioneller, typisch albernisch und vermutlich thorwalsch beeinflusst, ist eine besondere Art von Pluderhose, die Brogais. Jedes Hosenbein besteht aus zwei Teilen: Einer eng um die Unterschenkel sitzen-den Röhre und einem Oberschenkelteil, der - abhängig von Reichtum und Eitelkeit des Trägers - gar nicht weit genug sein kann. Der Umfang kann im Extremfall mehrere Schritt betragen. Der obere Teil wird in der Regel durch einen einfachen Tunnelzug an der Hüfte gehalten. Der Pluderteil ist etwas länger als der Oberschenkel und fällt so locker über das Knie herab. Wo er in die Unterschenkelröhre übergeht, wird er entweder von Wadenwickeln an den Unterschenkel gebunden oder durch einen dünnen Gürtelriemen oberhalb der Wade fixiert. Wer mit dem wallenden Anblick nicht vertraut ist, dem mögen die Brogais etwas ulkig vorkommen. Aber diese Hosen sind unübertrefflich bequem, passen immer und machen jede noch so abenteuerliche Bewegung mit. Durch den engen Unterschenkelteil vertragen sie sich gut mit Stiefeln und sind durchaus geländegängig.
Bei Wadenwickeln handelt es sich um ein Paar gut handbreiter und bis zu vier Schritt langer Stoffstreifen aus fester Wolle. Diese werden über der Hose getragen. Beginnend am Knöchel werden diese an den Waden aufwärts gewickelt und unter dem Knie mit Schnüren, Fibel oder Häkchen befestigt. Diese engen Wickelgamaschen wärmen die Unterschenkel. Außerdem schützen sie Hose wie Bein vor Dornen, Gestrüpp, nassem Gras und dem darin lebenden kleinen Ungeziefer. Dort, wo die weite Brogais nicht von Wadenwickeln am Unterschenkel gehalten wird, erledigen dies spezielle Knieriemen. Diese schlanken Miniaturgürtel werden oberhalb der Wade um das Bein gebunden. Wie schon beim Leibgurt hängen auch hier die überlangen verzierten Enden sichtbar herunter.

Mäntel

Über allen Kleidungsschichten werden Mäntel getragen. Die einfachste Form eines solchen Mantels ist nichts anderes als eine schlichte Decke. Oben umgeklappt, über die Schulter geworfen und mit einer Fibel verschlossen sind Rechteckmäntel so schlicht wie nützlich. Sie schützen vor Regen und Wind und wer ein Nachtlager im Freien aufschlägt, hat seine Decke gleich dabei.
Die etwas vornehmere Variante dieses Mantels wird auf die Form eines großen Halbkreises zugeschnitten und mit einer Kapuze versehen. Der untere Saum hängt so gleichmäßig weit nach unten und die Kapuze erhöht den Schutz vor der Witterung. Wer sich so etwas leistet, hat es meist seltener nötig unter freiem Himmel zu schlafen und, wenn er es tut, Geld genug, zusätzliche Decken mitzuführen. Noch etwas edler ist die Form eines Kreismantels, der natürlich auch doppelt so viel Tuch verbraucht, dafür aber einen dekorativen und vornehmen Faltenwurf aufweist.
Die lange, vergleichsweise schmale und meist in kunstvollen Mustern gewebte Stoffbahn des Großen Tuchs wird aufwendig in Falten gelegt und um die Hüfte gewickelt. Der übrige Stoff wird nach hinten über die Schulter geworfen und oft von einer Fibel oder Brosche an ihrem Platz gehalten. Sie kann aber auch als Kapuze fungieren, ebenso wie das ganze Kleidungsstück auch als Decke dienen kann.
Das Große Tuch ist vor allem eine Windhager Eigenart. Aber auch in Albernia werden Varianten des Großen Tuchs vor allem im angrenzenden Seenland und Abagund gelegentlich getragen und dort als Windhager Tuch bezeichnet. Die zumeist in Karomustern gewebten Tücher werden in einer kurzen Variante als Schultertücher getragen. Auch die Trageweise als Rock kommt vor, wobei die Länge durchaus bei beiderlei Geschlecht zwischen Knie und Mitte der Wade variiert. Manch einer trägt sein Windhager Tuch sogar bis zum Knöchel. Beliebt ist es vor allem bei Volksfesten und anderen Feierlichkeiten, bei denen sich Menschen als bewusst traditionell inszenieren möchten. Im albernischen Alltag ist es ein eher seltener Anblick.

Schuhwerk

An den Füßen trägt einfaches Landvolk bei der Feld- und Gartenarbeit gerne Holzschuhe. Mit denen kann man sich zwar nur schlurfend fortbewegen. Doch sie sind durch die am oberen Rand angenähten Polster aus Leder oder Schaffell bequem, robust, wasserfest und schützen die Zehen vor fehlgehenden Spatenstichen. Vor allem sind sie in der Herstellung nahezu kostenlos.
Wer öfter unterwegs ist oder mehr Geld hat, trägt Lederschuhe und -stiefel. Allzu schillernde Varianten mit langer Schnabelspitze oder Zierschnallen sind - außerhalb Havenas - ungewöhnlich. Schlammige Wege lehren Pragmatismus. Die einzige Extravaganz sind gelegentlich an den Verschlussriemen angebrachte kleine Schmuckanhänger aus Leder, Messing oder Zinn.

Schmuck und Accessoires

Es ist nicht allein die Kleidung, die das Eigentümliche der Tracht einer Region ausmacht. Es sind auch die vielen kleinen Details daran oder darum. Einer der beliebtesten Träger modischer Inszenierung ist der Gürtel. Albernier und Windhager tragen ihn mit etwas Überlänge. Das lange Ende wird hinter der Gürtelschließe zu einem Knoten geschlungen und hängt von dort lose herab. Das Riemenende läuft oft in eine mit Metallbeschlägen oder Verzierungen aus geschnitztem Knochen besetzte Riemenzunge aus. Der Gürtel selbst ist Träger verschiedener Verzierungen: Ziernähte aus dickem farbigem Zwirn, rautenförmige Zierschnitte, mit unterschiedlichen Lederfarben hervorgehoben, Punzierungen oder Metallbeschläge. Selbstredend ist bei Adeligen das eigene Wappen beliebtes Motiv des Gürtelschmuckes. Speziell auf dem Schwertgehänge, das ein frisch gebackener Ritter bei der Schwertleite von den Schwerteltern überreicht bekommt, sind derlei Abzeichen verbreitet.
Am Leibgürtel werden weitere Dinge befestigt und im täglichen Leben mitgeführt. Gürteltaschen aus Leder, oft in Nieren- oder Halbmondform, werden wie die Gürtel verziert. Die Deckel der Taschen tragen manchmal Durchbruchmuster. Dabei wird das Oberleder in Form eines Zierornamentes ausgeschnitten und von Innen mit einem (durch den Ausschnitt sichtbaren) Kontrastmaterial gefüttert.
Anstelle von oder zusätzlich zu diesen Taschen baumelt ein kleiner Beutel am Gürtel herunter. Die Schnur der Aufhängung läuft bei einer sehr beliebten Variante durch zwei zierliche Holz- oder Knochenbügel hindurch, welche an der Beutelöffnung angebracht sind. Auf Zug zieht die Aufhängung die Bügel aneinander und verschließt so den Beutel.
Innerhalb von Tasche oder Beutel befindet sich das, was der Albernier im Alltag zu brauchen glaubt: Ein Messer, ein Löffel, ein paar Münzen und sonstiger Krimskrams. Gerade für den Löffel verbreitet sich seit einigen Jahren eine weitere Aufbewahrungsmöglichkeit: Als Verschluss für Taschen aber auch Kleidungsstücke dient nicht selten eine Kombination aus Öse, Schlaufe und Knebel. Dieser Knebel ist traditionell einfach eine Art Stift aus Holz oder Knochen. Neuerdings erfüllt aber auch der Löffel diese Funktion. Er wird mit dem Stielende voran durch die Schlaufe gesteckt und die dicke Laffe verhindert ein Durchrutschen.
Ein Brauch speziell reisender Albernier ist der kleine Beutel mit Erde des Heimatortes. Das schlichte Beutelchen wird am Gürtel oder um den Hals getragen. Sollte der Träger zu Tode kommen, so verlangt der Brauch, die Heimaterde mit in das Grab zu geben, um der Seele ihren Frieden zu geben. Zum Großen Tuch der Windhager wird zudem gerne eine etwas länger herunterhängende Tasche aus Leder oder Fell getragen. Diese bewahrt den Teil des Gewands, der als Rock herunterhängt, davor, durch einen Windstoß oder raumgreifende Bewegungen allzu weit aufzuklappen und so ungewollte Einblicke zu gewähren.
Bei explizitem Schmuck ist zuvorderst die Fibel zu nennen. Schlichte schmiedeeiserne Ausführungen sind an nahezu allen Gewandungen zu finden, verschließen Mantel und Secead. Doch die Fibel ist auch Schmuck. Aus Messing, Bronze, Silber oder gar Gold zu kunstvollen Ranken verschlungen, mit fein ziselierten Zierplatten oder mit Steinen besetzt, gibt sie Hinweise auf Rang, Geldbeutel oder Geltungsbedürfnis des Trägers.
Ringe, Ketten und Anhänger werden in Albernia ebenso getragen, wie überall sonst. Spezifischer, traditioneller und vor allem bei wohlhabenden Standespersonen beliebt sind Halsreifen. Diese kräftigen Metallreifen sind meist aus Edelmetall. An einer Seite offen, werden die verzierten Enden auseinandergebogen, der Reif um den Hals gelegt und die Enden wieder zusammen gebogen. Ein auffälliges Schmuckstück, das sich freilich nicht jeder leisten kann.

Haar- und Barttracht

Wenn es auch keine Frage der Kleidung ist, so trägt doch auch die Haar- und Barttracht zum typischen Erscheinungsbild einer Region bei. Albernia ist hier keine Ausnahme. Als Grundsatz gilt: Wer schöne Haare hat, der zeigt sie gerne. Lange, gepflegte Haare sind bei Männern und Frauen gleichermaßen akzeptiert (auch wenn sie bei Männern mit fort-schreitendem Alter seltener werden). Eine beliebte Frisur sind Schläfenzöpfe. Dünne Haarsträhnen werden an den Schläfen zu Zöpfen geflochten und mit eingebundenen bunten Bändern oder Perlen aus Holz, Metall oder Bein verziert. Analog dazu werde auch Bärte - eine entsprechende Länge vorausgesetzt - zu Zöpfen geflochten und mit Bartperlen verziert.


Stände und Berufe

Die Kleidung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten unterscheidet sich der Art nach nicht grundsätzlich. Es sind Qualität und Ausführung, die den feinen Unterschied machen. Tuch ist teuer, besonders hochwertiges Tuch sowieso. Das gleiche gilt für kraftvolle tiefe Farben, Exotisches wie Seide, wertvollen Pelz oder prachtvolle Accessoires wie eine Fibel aus echtem Silber. Auch der Zuschnitt gibt einen Hinweis auf den Stand des Trägers. Ein einfaches, aus Recht- und Dreiecken zusammengesetztes, Gewand wird von Mann und Frau in Heimarbeit hergestellt. Passgenaue Abnäher und elegante Taillenschwünge bedürfen der kundigen Hand des Schneiders … und der kostet Geld.
Dazu kommen praktische Erwägungen. Wer körperlich arbeitet und außer Haus viel zu Fuß unterwegs ist, wird bodenlange Röcke und weite Ärmel als hinderlich empfinden. Er wird seine Kleidung kurz und praktisch halten. Wer hingegen umgekehrt lange wallende Gewänder ausführt, signalisiert damit nicht nur, sie sich leisten zu können, sondern auch, körperliche Arbeit nicht nötig zu haben. Der Unterschied zwischen dem Leibgewand (meist eine Cota) eines Bauern, eines wohlhabenden Städters oder eines Adeligen ist also nicht das Gewand an sich. Es ist die Länge des Saumes zwischen Knie und Knöchel, die Anzahl der für dekorativen Faltenwurf eingesetzten Stoffkeile, die Güte des Tuches, seine Färbung und Verzierung.
Die Grenzen zwischen den Schichten sind fließend. Ein reicher Kaufmann mag theoretisch unter dem Landadeligen stehen und dennoch mehr Geld in seine Kleidung investieren können. Das wird er sehr wahrscheinlich auch tun. Wo jemand durch erworbenen Wohlstand die Mittel dazu hat, ist auch die Neigung verbreitet, den eigenen gesellschaftlichen Aufstieg durch eine Nachahmung des Stils gehobenerer Schichten zu demonstrieren.
Harte Abgrenzungen zwischen den Schichten gibt es nur wenige. Ein Wappen an der Kleidung zu führen, ohne dazu berechtigt zu sein, provoziert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Ärger. Bezüglich der Farbwahl sind einige der Adelshäuser etwas eigen. Dunkles “albernisches” Blau und Weiß sind beispielsweise die Farben der Häuser Bennain, Llud und Niamad. Beide Farben können in Abwand-lungen natürlich auch in der Kleidung anderer Personen auftauchen. Aber eine offensichtliche Imitation des Farbmusters eines Adelshauses, ohne diesem zugehörig zu sein, dürfte wenigstens als grobe Unhöflichkeit empfunden werden.Auch Pelzbesätze können einen Standesunterschied definieren. Pelz an der Kleidung zu tragen, steht zwar grundsätzlich jedem offen. Aber das Recht auf besonders “edle” Tiere ist (wie die Jagd) ein Privileg des Adels. Dieser schmückt sich mit Fuchs, Wolf und Bär. Der Bauer trägt Schaf, Ziege und Kaninchen und ein Seemann greift zu Robbenfell.

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Die Kleidung des Klerus aber auch die der wenigen Magier wird überwiegend durch die (überregionalen) Vorgaben der eigenen Kirche, bzw. Gilde bestimmt. Dort, wo es einen Interpretationsspielraum gibt, finden vereinzelte Elemente der regionalen Tracht Eingang in das Ornat. Solche Elemente mögen die aus dichter, wetterfester Wolle gewebte, grün-karierte Gulain eines Perainegeweihten sein, oder die lange, über der Rüstung getrage weiß-rote Secead einer Rondrianerin. Entsprechend der bedeutenden Rolle der Efferdkirche in Albernia, treten viele Geweihte dieser Kirche mit dem “adeligen” Habitus - und entsprechender Kleidung - auf, der sonst eher von Praios- oder Rondrageweihten bekannt ist. Für viele Rondrageweihte des winddurchtosten Albernias, steht die Verehrung der Göttin auch als Herrin der Stürme im Vordergrund. Eine entsprechende Ornamentik in der Stickerei des Ornates verleiht dem Ausdruck.
Zauberkundige aus weniger formalen Traditionen wie der der Magier, unterscheiden sich in ihrer Klei-dung grundsätzlich nicht von anderen Bewohnern des Landes. Einzig Druiden, die in abgelegenen Gegenden auch eine informell-klerikale Funktion als “Weise des Waldes” haben, wählen manchmal ein Ornat mit langen Roben, die diese “geistlichen” Aspekt betonen.

Vereinzelt hat auch die Wahl des Berufes Einfluss auf die Kleidung. Die schwere Lederschürze eines Schmiedes oder die Wahl grüner und brauner Farben beim Wildhüter sind weniger durch die Region als die Profession beeinflusst. In einem besonderen Maße gilt das für die Schiffer und Seeleute der Siebenwindküste. Auch an Bord eines Schiffes wird natürlich nach dem Stand unterschieden. Das schlägt sich auch in der Wahl der Kleidung nieder. Einfache Seeleute tragen oftmals gar keine Schuhe, weil ein hölzernes Schiffsdeck bei Nässe schnell zu einer Rutschbahn wird. Auch beim Aufentern in die Wanten ist der Halt ohne Schuhe besser als mit. Wenn jedoch Schuhwerk getragen wird - was insbesondere auf Offiziere, Bootsleute und Köche zutrifft -, dann sind es feste Schuhe oder hohe Stiefel aus ordentlich gefettetem Leder, die vor nassen Füßen schützen sollen. Bei der Kleidung kommt es vor allem darauf an, dass sie warmhält. Daher sind Wollstoffe auch auf See das Tuch der Wahl. Kleidungsstücke aus besonders dichtem, fetthaltigem Loden, der wasserabweisend und winddicht ist und im Zweifel sogar nass noch wärmt, sind daher weit verbreitet. Insbesondere die Wolle der thorwalschen Schafrassen ist in Albernia beliebt, da bei ihnen das glänzende Außenhaar lang und wasserabweisend ist, während das feine, weiche Innenhaar hervorragend gegen Kälte schützt. Vor dem rauhen Wind schützen Wollmütze und Gulain, wobei letztere hochgekrempelt auch als Kapuze verwendet werden kann. Auch wollene oder lederne Mützen, deren Saum an den Seiten und hinten nach unten verlängert wurde, sodass man ihn gegen das Wetter herunterklappen kann, sind üblich.
Eine von den Weidener Fuhrmannsmänteln abgeschaute, noch recht junge Idee sind Jacken und Hosen aus gewachstem oder mit Leinöl durchwirktem Segeltuch aus Nesselstoff, Leinen oder Hanf. Diese schützen zwar tatsächlich sehr gut gegen Wasser, allerdings halten sie nicht besonders warm, so dass zumindest noch eine wollene Weste über dem Hemd darunter getragen wird. Neben der Wetterfestigkeit der Kleidung ist wichtig, dass diese nicht zu weit ist und auch keine Schnüre oder ähnliches herunterhängen, da man sonst allzu leicht mit einem Stück Stoff in einem Block oder im laufenden Gut hängen bleibt. Aus diesem Grund wird man auch selbst bei eisiger Kälte niemals Seeleute mit weiten Mänteln oder Handschuhen an Bord sehen.

Die Farben des Adels

In der Außenwahrnehmung gilt das dunkle “albernische” Blau oft als die albernische Adelsfarbe. Tatsächlich ist diese Farbe vor allem bei der Fürstenfamilie der Bennain und anderen thorwalstämmigen Häusern wie den Llud oder Niamad verbreitet. Andere Adelshäuser haben ihre eigenen festen Farbschemata.
Die Bedeutendsten sind:

  • Bennain, Llud, Niamad, Riunad: Blau und Weiß
  • Herlogan und Arodon: Grün und Weiß
  • Fenwasian: Schwarz und Gelb
  • Stepahan: Rot und Weiß
  • Crumold: Schwarz, Weiß, Grün



Urheber

Dieser Text wurde im Rahmen des Fanprojektes Aventurische Moden geschrieben von Nina Wendelken und Robert Albrecht. Die Zeichnungen sind von Anna Jäger-Hauer.